Wiener Burgtheater: Sarah Viktoria Frick als "Petra" in räuber.schuldengenital

Wiener Burgtheater: Sarah Viktoria Frick als "Petra" in räuber.schuldengenital

© Foto: Georg Soulek
Schauspielkritik

Die Rechnung, jetzt!

von Karin Cerny

Ewald Palmetshofer: räuber.schuldengenital

Premiere: 20.12.2012 (Uraufführung)
Burgtheater, Wien
Homepage: http://www.burgtheater.at/

Regie: Stephan Kimmig

Der in Linz geborene Dramatiker Ewald Palmetshofer, Jahrgang 1978, hat bereits in seinen Stücken für das Wiener Schauspielhaus bewiesen, dass er klassische Stoffe pointiert und sehr frei bearbeitet in die Gegenwart fortschreiben kann. In “hamlet ist tot. keine schwerkraft” (2007) ließ er überforderte Durchschnittspärchen in eine Krise schlittern, und auch in “faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete” (2009) traf er den Nerv einer Wohlstandsgesellschaft unter deren Oberfläche Leere und Verzweiflung lauern. Palmetshofers Stücke sind geprägt von einer gesellschaftskritischen Haltung, trotzdem gab es zumindest bisher viel zu lachen.

Sein jüngstes Stück “räuber.schuldengential”, eine Auftragsarbeit des Burgtheaters, ist um einiges düsterer. Palmetshofer schlägt apokalyptische Töne an. Er selbst meinte, sein Stück sei eine Art griechische Tragödie, was durchaus doppelbödig zu verstehen ist. Im Griechenland der Gegenwart zeichnet sich nämlich gerade am deutlichsten ab, was Palmetshofer in seinem Text dramatisch zuspitzt: Die jungen Menschen sind verzweifelt, es gibt keine Jobs mehr für sie und keine Perspektiven. Das “Geld der Zukunft”, wie Palmetshofer in seinem Stück sagt, wurde leider schon heute von der Elterngeneration fahrlässig verzockt.

Karl (Philipp Hauß) und Franz (Christoph Luser), die beiden Brüder, stehen also vor der Tür der Eltern, die sich vorsichtshalber längst verschanzt haben. Mit der Welt da draußen wollen sie nichts zu tun haben, vor den eigenen Kindern und ihrer Verzweiflung haben sie dementsprechend Angst. Es ist der Tat verteufelt, wie ungleich die Karten verteilt sind – die Eltern haben sogar den besseren Sex als ihre Kinder. Regisseur Stephan Kimmig setzt im Wiener Akademietheater auf eine radikal reduzierte Bühne (Oliver Helf), ein Metallgerüst, auf dem gespielt werden kann, darunter ein angedeuteter Wald, und viele Szenen werden ohnehin auf eine Videowand eingespielt. Sonderlich von Wohlstand gezeichnet ist aber auch die Welt der Eltern nicht, der Spielraum bleibt seltsam abstrakt, was es nicht gerade einfacher macht, den komplexen Stücktext zu erden. Dem Abend fehlt die Interaktion, zu wenig spielen die Akteure zusammen, zu lange umkreisen sie verbal umständlich Themenfelder. Am ehesten funktionieren die Szenen der Eltern, wenn Martin Schwab und Barbara Petritsch monströs ihr Hab und Gut verteidigen, wenn Therese Affolter ihre Tochter (Sarah Viktoria Frick) als Leibeigene für sie schuften lässt und wie ein Kannibale anfällt. Ein grundlegendes Problem ist wahrscheinlich auch: Zwei Stunden totale Düsternis wirken schnell inflationär. Man stumpft ab. Und ein paar Striche mehr im Text hätten trotz Uraufführung auch nicht geschadet.