Einfach bezaubernd: "OZ-The Wonderful Wizard" vom Staatsballett Berlin in der Ausweichspielstätte Komische Oper.

Einfach bezaubernd: "OZ-The Wonderful Wizard" vom Staatsballett Berlin in der Ausweichspielstätte Komische Oper.

© Foto: Enrico Nawrath
Tanzkritik

Familienspaß pur

von Vesna Mlakar

Giorgio Madia: OZ – The Wonderful Wizard

Premiere: 12.03.2011 (Uraufführung)
Komische Oper, Berlin
Homepage: http://www.komische-oper-berlin.de

Komponist: Dmitri Schostakowitsch

Einfach zum Liebhaben: das phantastisch muntere Reise-Quartett von OZ! Angeführt von Staatsballett-Primaballerina Polina Semionova als ausnahmsweise weniger technikverwegene denn spielerisch einfach bezaubernde Dorothy feierte es in der Komischen Oper Berlin Premiere. Laut Programmheft erarbeitete Choreograf Giorgio Madias seine Adaption vor allem anhand des 1900 erschienenen ersten Bandes von L. Frank Baums Kinderbuch-Kultklassiker „The Wonderful Wizard of OZ“. Sein intermedial wunderbar aufeinander eingestimmtes Team (Bühne: Cordelia Matthes, Kostüme: Bruno Schwengl, Video: fettFilm – Momme Hindrichs, Torge Møller) und er verwoben dann aber doch diverse Zitate auf Hollywoods berühmte Musicalverfilmung von 1939 in ihr gut eineinhalbstündiges Stück (Musik vom Band: Dmitri Schostakowitsch).

So umstrahlte den ersten Auftritt des vermeintlich gefährlichen, sich gar grob machohaft gebärdenden Löwen (unter der Rasterlockenmähne ein Gefährte ohne Furcht und Tadel: Vladislav Marinov) das bekannte Metro-Goldwyn-Mayer-Logo. Auch Federico Spallitta – grandios in seiner Partie der strohgefüllt-knochenlosen Vogelscheuche – und Artur Lill, dessen rostig-steife Verkörperung des Blechmanns die flexible Geschmeidigkeit seines Kollegen aufs Beste konterkarierte, erinnerten in ihren Attitüden ans weltbekannte Vorbild. Leider enttäuschten ausgerechnet jene Szenen, die geschichtsbedingt Highlights hätten sein müssen: Auftritt und Demontage des an sich machtlosen Zauberers von OZ. Zwar mühte sich Vladimir Malakhov redlich – halb verdeckt von einer projektionsbespielten Scheibe –, klassisch fundiert mit Beinen, dann Armen am Platz zu posieren, in der Hoffnung, irgendwie magisch zu wirken. Der Versuch scheiterte jedoch, gerade weil Madias all den anderen Charakteren so markant humorvoll unterschiedliche Bewegungssprachen auf den Leib kreiert hatte.

Seinem Ballerino-Ego zu entschlüpfen, fällt Berlins Ballettchef offenbar allzu schwer. Nichtsdestotrotz gewann er mit der Uraufführung der 32 rasant ineinander überfließenden Bilder einmal mehr die Publikumsherzen.