So süß kann Shakespeare sein: "Liebesblind - Shakespeare vertanzt" als Ballettabend von Bridget Breiner und Matjash Mrozewsk in Augsburg.

So süß kann Shakespeare sein: "Liebesblind - Shakespeare vertanzt" als Ballettabend von Bridget Breiner und Matjash Mrozewsk in Augsburg.

© Foto: Nik Schölzel
Tanzkritik

Zwei mal Shakespeare: spritzig und technisch brilliant

von Vesna Mlakar

Bridget Breiner/Matjash Mrozewski: Liebesblind - Shakespeare vertanzt

Premiere: 09.04.2011
Theater Augsburg
Homepage: http://theater1.augsburg.de

Inhalt, Tempo und darstellerische Raffinesse: Augsburgs Zweiteiler „Liebesblind – Shakespeare vertanzt“ bietet alles, was ein erfolgreicher Ballettabend braucht. Im Fokus stehen die Grundgefühle menschlicher Existenz, die in ihrer dramatischen Verquickung von Liebe, Rivalität, Hass und Eifersucht tragische wie komische Blüten treiben und Shakespeares Othello oder Sommernachtstraum so zeitlos faszinierend wie ewig neu gestaltbar machen. Unterstützt von Stefan Morgenstern als schlicht-kongenialem Ausstatter haben mit Bridget Breiner (Erste Solistin beim Stuttgarter Ballett) und Matjash Mrozewski zwei Shooting Stars unter den Jungchoreografen die Herausforderung angenommen. Was sie eint, ist die Gabe, den eingeschlagenen Erzählfluss ohne Umschweife mittels verständnisstarker Ausdrucksformen voranzutreiben und dabei handwerklich fulminant mit dem Fundus an (u. a.) neoklassischem Vokabular zu spielen. Die Anforderungen ans Ensemble waren entsprechend hoch.

Anlässlich der zweiten Premiere im Großen Haus am 9. April präsentierten sich die Tänzerinnen und Tänzer in elektrisierender Bestform. Stellvertretend sei allen voran Lateef Williams genannt – ein dunkelhäutiger Tanzathlet von exquisiter Geschmeidigkeit, gepaart mit wachsender Interpretationsprägnanz. In Breiners (sich anfangs an Geschwindigkeit fast überschlagendem) Kammerballett, das zu eindringlicher Musik von Górecki und Sarasate entscheidende Momente von Jagos (Riccardo De Nigris) fataler Intrige mit den jeweiligen Motivationen und Empfindungen der insgesamt fünf Protagonisten zu einem 30-minütigen Seelenquintett ungewohnter Tiefe komprimiert, beeindruckte sein zärtlicher, dann Desdemona (Alisha Coon) unerbittlich mordender Othello.

Mrozewski, der sich für eine spritzige Nacherzählung des Sommernachtstraums (Musik: Mendelssohn, Purcell) entschieden hatte, besetzte Williams als übermütigen Puck. Zwei Gäste und neun Kinder lokaler Ballettschulen verstärkten das elegant von Kelly Jane Tipton und Nathan Griswold angeführte Corps der Elfen. Und De Nigris, Breiners böser Drahtzieher, mimte mit Elvis-Tolle und Rockerallüre den Hausmeister Zettel. Angesicht des Verzichts auf die Handwerker eine – wie überhaupt der gesamte Abend – schlüssige Idee.