Inszenierungsfotos nur zur Vorberichterstattung frei

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Zurück in Odessa

von Ulrike Kolter

Subbotnik: Geh hin, ich weiß nicht wohin – bring das, ich weiß nicht was

Premiere: 20.11.2015 (Uraufführung)
Schauspiel Köln
Homepage: http://www.schauspielkoeln.de

Ziemlich viel Ratlosigkeit im Titel: „Geh hin, ich weiß nicht wohin – bring das, ich weiß nicht was!“ So sind Märchen eben, man muss schier unlösbare Aufgaben erfüllen, um final dann doch die schöne Zarentochter und dazu das ganze Reich zu bekommen.

Der neue Abend des Theaterkollektivs Subbotnik im Kölner Schauspiel-Interims „Depot“ begibt sich, ganz wie jenes russische Volksmärchen, auf die Reise. Eine Reise in die Vergangenheit der Ukraine, wo Oleg seine Kindheit in Odessa verbrachte. Seine Kumpels Kornelius und Martin begleiten ihn, drei skurrile, ewig rauchende Typen auf der Suche nach Erinnerungen: am Strand, bei Tante Luba, in einer russisch-orthodoxen Kirche, beim Brand eines Gewerkschaftshauses oder im Linienbus von Odessa. Und zwischendurch taucht wieder, mit schwarz-weiß-wallendem Rauschemantel, der alte russische Zar aus dem Märchen auf, der einem Jäger seine Zarentochter erst nach diversen Prüfungen geben mag. Wohin geht unsere Reise? Und wer ist hier der Held?

Subbotnik, das sind der Regisseur Martin Klöpfer, der Musiker Kornelius Heidebrecht und der Schauspieler Oleg Zhukov, die in wechselnden Konstellationen vorrangig Projekte in der freien Szene erarbeiten, sich dort rasant einen Namen gemacht haben und jetzt am Schauspiel Köln erstmals Stadttheaterterrain betreten. Ein „Musiktheaterabend“ soll es sein, für den sie sich Unterstützung von Henning Nierstenhöfer (Posaune) und Igor Kirillov (Klavier) sowie der Schauspielerin Lou Strenger geholt haben. In der Tat sorgt der stets beiläufige Einsatz von Tuba, Posaune, Klavier oder Schlagwerk für den herben Charme des Abends, geht einher mit dem baustellenhaften Bühnenkonstrukt (Metall-Bauzäune, ein Gerüst als Holzhaus des Zarenpaares, ein Vorhang für Fotoprojektionen aus Odessa).

Überhaupt wirkt vieles unfertig, einige Dialoge gehen halb genuschelt dahin, und je älter der Abend, desto mehr zerfasern die Elemente. Aber Subbotnik, diese drei originellen Theatertypen, entwickeln ihre Stücke ja stets weiter, kein Abend gleicht dem anderen. Bleibt also zu wünschen, dass das Kollektiv sich ihrer ukrainischen Recherche noch mal annimmt, kürzt und präziser wird, damit nicht zu viel Ratlosigkeit beim Publikum übrig bleibt.