Sophie Basse, Holger Kraft und Lutz Wessel in der Wuppertaler Inszenierung von Rafael Spregelburds "Die Dummheit".

Sophie Basse, Holger Kraft und Lutz Wessel in der Wuppertaler Inszenierung von Rafael Spregelburds "Die Dummheit".

© Foto: Uwe Stratmann
Schauspielkritik

Gar nicht so dumm

von Detlev Baur

Rafael Spregelburd: Die Dummheit

Premiere: 25.03.2011
Wuppertaler Bühnen
Homepage: http://www.wuppertaler-buehnen.de

Regie: Christian von Treskow

Für die ganz große Dummheit bedarf es ziemlich ausgeprägter Intelligenz. So etwa lässt sich Rafael Spregelburds Stück „Die Dummheit“ resümieren. In vier Motels um Las Vegas herum spielen sich in diesem filmisch wirkenden Konstrukt diverse Geschichten ab, die weniger oder mehr miteinander verschränkt sind: Es geht um einen irren Professor, der die Weltformel gefunden haben dürfte, sie aber unbedingt noch geheim halten will; es geht aber auch um zwei windige Kunsthändler, die um jeden Preis viel Geld mit einem höchst dubiosen „Werk“ verdienen wollen – und um deren reiche Opfer. Andererseits tauchen auch vier geistig einfach strukturierte Glücksspieler aus der tiefsten Provinz auf, und drei Polizisten samt ihren zwei Damenbekanntschaften und einem überraschenden Geldfund. Das aus dem argentinischen Spanisch übersetzte Stück wirkt mit seinem Personal und in seiner Bauweise ziemlich amerikanisch – und überladen mit Bedeutungsschwere um die Klischeefiguren herum.

Die Inszenierung des Wuppertaler Schauspielintendanten Christian von Treskow und seines spielfreudigen Ensembles entwickelt aus diesem kruden Werk auf der Breitwand-Bühne des Kleinen Schauspielhauses dann allerdings einen überraschend unterhaltsamen und leichtgewichtigen Szenenreigen. Auf Kristina Böchers Bühne findet sich in der Mitte ein helles Schlafzimmer mit wechselndem, projiziertem Bild über dem Bett und sehr einfachen Sitzgelegenheiten an beiden Seiten (Terrassen). Die fünf Akteure – Sophie Basse, Maresa Lühle, Lutz Wessel, Hendrik Vogt und Holger Kraft – entwickeln in jeweils vier bis fünf Rollen eine immense Spielfreude. Von Anfang an wird klar, dass synchron schwadronierende Kunsthändler, softe Cops, eine unerträglich lallende Kino-Platzanweiserin oder ein japanischer Kunstliebhaber mit herrlichem Film-Akzent Figuren einer von Comic, Hollywood und Slapstick-Komödie geprägten Kunstwelt sind. Gerade dadurch sorgt das szenische Durcheinander aber nicht nur für drei unterhaltsame Komik-Stunden, sondern macht die irren Figuren und ihre Geschichten auf ihre Weise verständlich. Und erklärt damit ein wenig auch unsere immer wieder erschreckende Welt, in der die Menschen immer wieder dümmer zu sein scheinen, als man einzusehen vermag.