"Geld und Gott" am Staatstheater Darmstadt

"Geld und Gott" am Staatstheater Darmstadt

Yana Robin la Baume, Nicolas Fethi Türksever, Karin Klein, Mathias Znidarec, Lene Dax

© Foto: Jochen Quast
Schauspielkritik

Comic meets Dante

von Björn Hayer

Brigitte und Niklaus Helbling: Geld und Gott

Premiere: 30.04.2015 (Uraufführung)
Staatstheater Darmstadt
Homepage: http://www.staatstheater-darmstadt.de

Regie: Steffen Klewar
Vorlage: Dante Alighieri: Die göttliche Komödie

Comic meets Dante und dies in einer höchstvergnüglichen Farce. In der Darmstädter Uraufführung von „Geld und Gott“, eine komödiantische Bearbeitung und popig-schrille Überschreibung des Weltklassikers „Die göttliche Komödie“ durch Brigitte und Niklaus Helbling, haben sich die Höllenkreise längst ins Diesseits verlagert, genauer: in die Abgründe der Batman-Stadt Gotham. Dort versammeln sich höchst skurrile Gesellen. Während Omlettkoch Juan (Mathias Znidarec) mit einer weißen Lichtgestalt (Karin Klein), „die aussieht wie bob Dylan“, ins Purgatorium hinabsteigt, ist der schneidige Anwalt Maximilian (Nicolas Fethi Türksever) auf illegalem Weg an eine Geldtasche geraten, mit deren Hilfe er aus seiner Schuldenmisere ausbrechen könnte. Als ihm das teure Stück abhanden kommt, springt ihm die wackere Polizistin Josefine (Yana Robin la Baume) zur Seite. Der Traum vom großen Geld führt letztlich alle zusammen und lässt sie einen letzten großen Coup gegen den Boss der Stadt, Gott Otto, planen. 

So mulitfunktional sich die Bühne kurzerhand als Schlauchboot, Badezimmer, Hotelzimmer oder einfach überquellendes Medienspektakel nutzen lässt, so flexibel agieren auch die heiter-sportlichen Akteure. Regisseur Steffen Klewar zieht mit seiner flippigen Geräuschkulisse alle Register einer urkomischen Comic-Show: Vögelchengezwitscher bei Kinnhaken, groteske Körperkrümmungen und allerhand Slapstick bauen das Stück zur wahren Persiflage über Großstadtneurotiker, verkannte Superhelden und die unstillbare Suche nach dem großen Glück des Lebens aus.

Derweil bringt die gelingende Quatschparade allerhand politischen Zündstoff mit sich: Begegnet Juan auf seinem Abstieg in die Unterwelt dem Alchemisten, dessen Aschewolken sich als pure Geldscheine erweisen, erklärt sich die titelgebende Analogie unmittelbar von selbst: Der neue Gott heißt Mammon, aber er ist ein Titan aus der Hölle, ein mephistofelischer Geist der Umkehr. Aus roten Zahlen macht der Stoffwandler Triple-A-Wertungen. Dass sich die bestialischen Kreise im Dantischen Universum über die Finanzmärkte stülpen, verleiht dieser fabelhaften Karikatur auf die Spätmoderne ein gehöriges gesellschaftskritisches Substrat. In Darmstadt verspricht die Höllenfahrt einen rauschhaften Gedankenoverflow aus Dekadenz, verfehlten Hoffnungen und vielzimmerigem Dada.