Anja Schneider in "Droge Faust" am Leipziger Centraltheater.

Anja Schneider in "Droge Faust" am Leipziger Centraltheater.

© Foto: R.Arnold/Centraltheater
Schauspielkritik

Nachdenken über Faust

von Ute Grundmann

Armin Petras: Droge Faust

Premiere: 31.03.2011
Schauspielhaus Leipzig
Homepage: http://www.centraltheater-leipzig.de

Regie: Armin Petras
Vorlage: Einar Schleef

Verschüchtert steht das Pärchen vor dem geehrten, gefürchteten Dozenten. Vor allem Sie will – eifrig, mit Brille und Karteikarten – vortragen, was sie über Goethes „Faust“ denkt. Doch dann wird aus dem Seminar ein Spiel, schlüpfen sie in die Rollen, über die sie gerade noch disputiert haben, werden Faust (Thomas Lawinky), Mephisto (Berndt Stübner) und Gretchen (Anja Schneider). So beginnt in der Leipziger Skala eine Uraufführung, für die Armin Petras Einar Schleefs „Droge Faust Parsifal“ mit Goethes „Faust“ verwoben hat.

Es ist, nach „Zerreißprobe Faust“ im Theater der Jungen Welt, das zweite szenische Nachdenken über Goethes Hauptwerk in Leipzig und Petras hat daraus einen kurzen, rasant geschnittenen Theaterabend gemacht. Im Prinzip ist es eine verknappte, verkappte Faust-Aufführung, von „Habe nun, ach“ bis „Heinrich, mir graut vor dir“ auf das Wesentliche komprimiert, darein Schleefs Gedanken zu Drogen, Individuum, Chor gefügt. Ob die Phiole der Osternacht, der Hexentrank oder die Tropfen für Gretchens Mutter – alles Drogen, mit denen das Ich sich zu betäuben oder Utopien zu finden sucht.

Diese Gedanken Schleefs werden in einer mit Tischen, Sesseln, Topfpflanzen und Schnapsflaschen vollgeräumten Szene (Patricia Talacko) mal im trockenen Oberseminarton deutlich von der Faust-Handlung abgesetzt, mal aber auch Teil des Geschehens: Da giert Gretchen nach „der Nachbarin Fläschchen“ wie ein Junkie nach dem nächsten Schuss. Das Fräulein, dem Faust Geleit anträgt, mampft Popcorn aus einem Eimer – und der wird erst zum Schatzkästlein für Gretchen, um dann wie die Büchse der Pandora in Farben (auf einer Leinwand) zu explodieren. Für die Szene im Dom wird dort ein Haltestellenhäuschen eingeblendet, das statt Werbung ein Kirchenfenster zeigt. Der 90-minütige Abend – eine Koproduktion von Centraltheater/Skala und Maxim Gorki Theater – wird so zum spannenden Spiel mit und über Faust, ist Drama und Disputation zugleich. Langer Beifall.