Großer Spaß: "Spamalot" in Karlsruhe

Großer Spaß: "Spamalot" in Karlsruhe

Arthur (Gunnar Schmidt) und die Fee aus dem See (Rebecca Raffel) haben sich gefunden. Da ist die Sache mit dem Gral nur noch Formsache!

Musiktheaterkritik

Schön gekürztes Kaninchen

von Andreas Falentin

John du Prez, Eric Idle: Monty Python's Spamalot

Premiere: 27.09.2015
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Homepage: http://www.staatstheater.karlsruhe.de/

Regie: Ingmar Otto
Musikalische Leitung: Clemens Rynkowski
Autor der Vorlage: Monty Python: Die Ritter der Kokosnuss (Film)

Wie herrlich ist es, zu singen! …denkt man im aktuellen Musiktheaterbetrieb immer weniger häufig. Bei „Spamalot“ in Karlsruhe ist das ein Haupteindruck. Da tollen sieben Herren und eine Dame über die Bühne, als wären sie im Urlaub, fröhlich und ein bisschen verrückt. Spaß steht im Vordergrund, Spaß an getroffenen Tönen und nostalgischen Pointen, vor allem Spaß, die vielen parodistischen Ebenen zu öffnen und zu bespielen, die in Text und Musik angelegt sind. Dass man die so gut mitbekommt, hat mit einer wesentlichen Entscheidung des Produktionsteams zu tun: in Karlsruhe wird nicht nur der Showstopper „Always look on the bright side of life“, sondern werden alle Songs auf Englisch gesungen. Das macht nicht nur deutlich, wie sehr Eric Idle und John du Prez sich mit ihrer Musical-Auswertung des Monty-Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“ in die Tradition des britischen Unterhaltungsmusiktheaters a la Gilbert & Sullivan stellen, sondern lässt eben lustvoll die Meta-Ebenen klingeln, am schönsten vielleicht in Arthurs „I‘m all alone“, in dem die anglo-amerikanische Weltschmerz-Schnulze geradezu beispielhaft durch den Kakao gezogen wird, was man auf Deutsch kaum mitbekäme, weil das Gestaltungsprinzip des Song-Textes – eine Zitaten-Kompilation aus Schnulzenzeilen – sich nicht übertragen lässt.

Überhaupt Arthur. Gunnar Schmidt spielt ihn als eleganten Sanguiniker, eine Art Don Quixote von der fröhlichen Gestalt mit britischer Upper-Class-Selbstgewissheit und –distanz. Und er hat eine sonore Gesangsstimme – und kann auch noch tanzen. Tanzen und Singen können sie übrigens alle, besonders das faszinierende Stimmchamäleon Jannek Petri in gleich mehreren Rollen und Jens Koch als Diener Patsy, der für die schönen tiefen Töne zuständig ist. Neben Rebecca Raffel selbstverständlich, im Hauptberuf klassische Altistin, hier also eigentlich ein Alien unter Schauspielern, was man in keinem Moment merkt. Obwohl offenbar von einem Katarrh eingeschränkt, rockt Raffel als Dame vom See mühelos das Haus. Aber – und das ist eine echte Überraschung – nicht mit ihrer großformatigen klassischen Stimme, sondern als whiskeysatt klingende Jazz- und Soul-Diva, die üppigen Körperformen mit ausufernder Selbstironie in hautenge Showfummel gepresst. Das hat viel echten Witz – und manchmal sogar Ausdruckstiefe.

Die Inszenierung von Ingmar Otto, dem Chef des Karlsruher Kammertheaters, der erstmals beim großen Nachbarn inszeniert, besticht durch Stringenz und Einfachheit. Seine Inszenierung hat Tempo, ist aber nie zu grell, zu schnell, vor allem nicht zu laut. Und er bekommt das wesentliche Problem der Vorlage in den Griff. „Spamalot“ ist nämlich eigentlich kein Stück, sondern eine Hommage, die erst durch die Projektion und Beteiligung der Fans dramatisches Gepräge erhält. Otto wirkt dem auf zwei Ebenen entgegen. Die Kostüme von Andy Besuch unterscheiden sich deutlich von denen im Film, gehen eigene Wege und behaupten erfolgreich eigene Komik. Dazu hat Otto den zweiten Teil, in dem skriptgemäß hauptsächlich Highlights aus dem Film kultisch abgefeiert werden, geschickt gekürzt, Robins Meta-Musicalnummer gestrichen und das Geschehen um das Kaninchen des Todes auf das Notwendigste begrenzt. So bekommt er – nach der Tafelrundengründung im ersten Teil – eine fast durchgängige Liebesgeschichte zwischen Arthur und der Fee aus dem See hin, von der nur kurz vor Schluss mal lustvoll, und im Thema bleibend, abgeschweift wird.

Last, but not least: Wie herrlich ist es, Musik zu machen! Zehn Musiker unter Clemens Rynkowski spielen 40 Instrumente – und man hat sie jederzeit im Blick, sieht, wie wach sie dabei sind und, noch einmal, wieviel Spaß sie haben. Wenn Unterhaltungstheater an der Staatsbühne – dann gerne so!