Musiktheaterkritik

Jean-Philippe Rameau: Platée

von Andreas Falentin

Jean-Philippe Rameau: Platée

Premiere: 28.01.2011
Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf
Homepage: http://www.rheinoper.de

Regie: Karoline Gruber
Musikalische Leitung: Konrad Junghänel

Die 1745 in Versailles uraufgeführte komische Ballettoper ist Jean-Philippe Rameaus meistgespieltes Werk, allerdings auf deutschen Bühnen nie recht heimisch geworden. Der Regisseurin Karoline Gruber gelingt es jetzt, die Geschichte um eine hässliche Sumpfnymphe, die vom Gott Jupiter für eine Intrige zur Versöhnung mit seiner Gattin missbraucht wird, mit heutigen ästhetischen Mitteln zu gestalten, ohne je die Maximen des französischen Barocktheaters aus den Augen zu verlieren: Prachtentfaltung und Eleganz.

Da durchdringen sich Einst und Jetzt mühelos zu einem prickelnden Cocktail aus Esprit, Spontaneität, Körperlichkeit und perfektem Timing. Dazu lässt Konrad Junghänel präzise und beschwingt aufspielen, Instrumentalisten, Tänzer und Chor dürfen glänzen und das Sängerensemble spielt, tanzt und singt, auch stilistisch, auf sehr gutem Niveau.

Zentrum der quasi-barocken Kulissenbühne ist ein riesiger pinker Stöckelschuh: Lotterbett, Himmelsleiter und zentrale optische Chiffre in einem. In ihn will die einsame liebestolle Platée so gerne hinein. Die ist hier keine hässliche Alte, sondern eine melancholische, weltfremde Bordsteinschwalbe ohne Schuhe. Sie gehört nicht dazu, wird so zum leichten Opfer einer sensationslüsternen High-Society-Menge und erschießt sich nach dem letzten Ton des – trotzdem – hochamüsanten Abends.

Sobald allerdings das Festtableau, Jupiters Fast-Hochzeit mit Platée, erreicht ist, hört der – ohnehin spärlich fließende – Handlungsfluss vollends auf. „La Folie“ tritt auf, der Fleisch gewordene Höherer Blödsinn im Dominamodus. Sie singt lange und brillant, stiftet Verwirrung und zementiert, wie von ihrem Schöpfer gewollt, den dramaturgischen Stillstand.

So war das halt bei den alten Franzosen. Nichts war wichtiger als die Feste. Dem Zuschauer im 21. Jahrhundert bleibt da nichts übrig, als ein paar Synapsen zuzudrücken und das Theatererlebnis ganz seinen Sinnen anzuvertrauen. Und das lohnt sich in Düsseldorf durchaus.