Zwischenruf

Geburtstagsbegegnung: Wagner trifft Verdi (1)

von Wolf-Dieter Peter
Im doppelten Opernkomponisten-Gedenkjahr 2013 wollen wir Ihnen, liebe Leser, die
beiden Geehrten als Begleiter mit auf den Weg durchs Jahr geben. In jedem
Monat werden sie unter unserer "Zugabe" je einen Text zu Giuseppe Verdi und
zu Richard Wagner finden. Beide Texte werden sich auf Themen beziehen, die
Beziehungen zwischen den beiden großen Männern stiften, beide werden ihr
jeweiliges Thema an einer Anekdote aus dem entsprechenden Monat festmachen.
Im ersten Teil der Serie geht es um Verdis und Wagners Frauen.

„Die anmutige Frau bleibt mir treu und ergeben...“

... schreibt Wagner am 20. Januar 1854 – und das nicht etwa über seine noch angetraute Ehefrau Minna, von der er seit 1850 erstmals getrennt lebt. Auch nicht die bald lebensbegleitende und ab 1870 offiziell mit „dem Meister“ verheiratete Cosima Wagner. Die Zeilen beziehen sich auf „die Muse“ Mathilde Wesendonck, die Wagner im Züricher Exil 1852 kennengelernt hat. Von ihr fühlt er sich verstanden, widmet ihr den 1. Aufzug der „Walküre“ – und beider Liebesverstrickung prägt die „Tristan“-Handlung und -Musik.

Obige Zeile schreibt Wagner an die Verehrerin Julie Ritter, die ihn eigentlich lebenslang unterstützen will, doch Wagners Affäre mit Jessie Laussot reduziert das Vorhaben auf eine kleine jährliche Zuwendung. Aufzuführen sind auch die Damen Seraphine Mauro, Lisbeth und Marie Völkl, Judith Gautier, die wohl eine – wie auch immer „enge“ – Beziehung zu Wagner haben, während Mathilde Maier, Frederike Meyer und Blandine Ollivier wohl als echte Freundschaften einzustufen sind. Erst mit dem beiderseitigen „Bekenntnis, uns einzig gegenseitig anzugehören“ von 1863 beginnt die Beziehung Cosima-Richard, die bis zum Tod Wagners 1883 intensiv wie selten eine Künstlerehe besteht.

Doch der 69-jährige Wagner ist 1882 von dem „Parsifal“-Blumenmädchen Carrie Pringle so enthusiasmiert, dass seine Einladung zu einem Besuch in Venedig am Morgen des 13. Febrauer 1883 zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Cosima und Richard führt – höchst gefährlich für den schwer herzkranken Wagner, der am Nachmittag stirbt. Cosima übernimmt das ungesicherte und schwere Erbe „Bayreuth“ und macht es zum national-konservativen „Heiligtum“, offen für fatalen Missbrauch.

„Oh du mein Zauberer“

 „Dein Wille geschehe, solange ich Leben in mir habe und Dir sagen kann, wie sehr ich Dich liebe“ schrieb sie im Januar 1853 aus Livorno ihrem „mago“, ihrem „Zauberer“, den sie bis an ihr Lebensende verehrte und bewunderte: Giuseppina Strepponi an Giuseppe Verdi. Dabei war die 1815 geborene Organistentochter und erste Belcanto-Preisträgerin des Mailänder Konservatoriums in den späteren 30er Jahren selbst ein Star. Rossinis „Mathilde von Schabran“, Adalgisa in Bellinis „Norma“ und vor allem „Sonnambula“ waren ihre Paraderollen, mit denen sie sogar in Wien Triumphe feierte.

1842 wurde beider Schicksalsjahr: die Strepponi kreierte die Abigaille in Verdis „Nabucco“ an der Mailänder Scala – und obwohl die Rolle ihre stimmlichen Mittel überforderte, ja vielleicht sogar nachhaltig schädigte, schlug der Blitz in beider Herzen ein. Verdi war dabei der 29-jährige Witwer, der ein neues Glück fand. „La Strepponi“, 27-jährig, hatte dagegen ein wild bewegtes Liebesleben mit nicht nur zahlreichen Affären, sondern auch drei unehelichen Kindern hinter sich. War schon dies skandalös, so noch mehr, dass Verdi und sie von 1846 an in „wilder Ehe“ zusammenlebten und erst 1859 heirateten.

Giuseppina aber wurde die treue Weggefährtin, die alle Launen, Krisen und Anspannungen Verdis erduldete und zu lindern suchte. Gerne wüssten wir mehr über beide, doch gegen Jahresende 1900, beim letzten Aufenthalt auf seinem Landgut Sant’Agata, verbrannte der 87-jährige viele persönliche Dokumente, darunter die Briefe von Giuseppina, auch die von Star-Sopranistin Teresa Stolz, der Begleiterin seiner letzten Jahre. Verdi und die Frauen? Wir müssen uns an seine Bühnenheldinnen halten!