Unfreiwillige Kulisse für die Pegida-Demonstrationen in Dresden: Die Semperoper

Unfreiwillige Kulisse für die Pegida-Demonstrationen in Dresden: Die Semperoper

© Foto: Matthias Creutziger
Zwischenruf

"Wir wollen das nicht mehr hinnehmen!"

Die Beschäftigten der Semperoper Dresden und der Sächsischen Staatskapelle Dresden fordern eine entschiedenere Haltung gegen die Pegida-Bewegung von Sachsens Politikern. Wir publizieren den Offenen Brief der Mitarbeiter zum Nachlesen im Wortlaut.

"Offener Brief der Beschäftigten der Semperoper Dresden und der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Dresden, im Dezember 2015

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir, die unterzeichnenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Semperoper Dresden und der Sächsischen Staatskapelle Dresden, sind besorgt und bestürzt über die nun wieder wöchentlich stattfindenden Demonstrationen von Pegida auf dem Theaterplatz – direkt vor dem Ort unserer Arbeit. Wir, die wir nicht nur mit unserer Kunst, unseren Gewerken und unseren Fertigkeiten, sondern auch aus tiefster Überzeugung für demokratische und humanistische Werte eintreten, sind in unserer täglichen Arbeit inzwischen auf unzumutbare Weise eingeschränkt und belastet. Montäglich müssen wir an Menschen, die aggressive und diskriminierende Parolen skandieren, vorbei den Weg zu unserem Arbeitsplatz suchen. Wir fühlen uns dabei nicht nur unwohl, sondern vor allem nicht mehr sicher.

Unser Ensemble setzt sich aus Menschen unterschiedlichster Nationen zusammen, wir alle leben gern in Deutschland und arbeiten mit großer Freude an unserem Opernhaus. Doch die Stimmung innerhalb des Ensembles wird zunehmend bedrückter: Viele von uns fühlen sich durch die Versammlungen von Pegida auf dem Theaterplatz unwillkommen und ausgegrenzt, werden beleidigt und bedroht.

Darüber hinaus erreichen uns auch immer mehr Zuschriften unseres Publikums, die einen Besuch der Semperoper meiden, die sich scheuen, sich mühevoll einen Weg durch die Masse der Demonstranten zu bahnen, die Sorge haben, zwischen den Demonstrantenpulks unbeabsichtigt auf Foto- und Filmaufnahmen – und dieser Punkt gilt in gleichem Maße für uns – zu geraten, die daher nicht mehr nach Dresden reisen wollen und sogar ihre bereits gekauften Karten verfallen lassen.

Wir wollen das nicht mehr hinnehmen! Wir fordern Sie auf, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um unseren Arbeitsplatz zu sichern und um unserem Publikum den Besuch einer der bedeutendsten Kulturinstitutionen der Stadt wieder ungestört zu ermöglichen. Stellen Sie sich dem Szenario der Intoleranz und Menschenverachtung entgegen! Setzen Sie ein Zeichen für Menschenwürde, Empathie und die Notwendigkeit einer kulturellen Vielfalt. Machen Sie klar, dass eine Politik, die die Interessen unserer ausländischen Mitbürger berücksichtigt, keine Politik ist, die sich gegen die Deutschen wendet. Lassen Sie nicht zu, dass die Plätze unserer Stadt mit Hetzparolen gefüllt werden. Die Botschaften, die wir mit unserer Kunst vermitteln möchten, sollen wieder in die Welt ausstrahlen und nicht der vergiftete, menschenverachtende Geist, der sich hier in Dresden ausgebreitet hat."