Barbara Kisseler

Barbara Kisseler

Barbara Kisseler als frisch gewählte Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins bei der Abschluss-Pressekonferenz der Jahreshauptversammlung in Potsdam.

© Foto: Foto: Göran Gnaudschun
Zwischenruf

Drei Fragen an Barbara Kisseler

von Detlef Brandenburg
Auf der Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins in Potsdam wurde die Hamburger Kultursenatorin zur neuen Präsidentin gewählt. Sie tritt damit die Nachfolge von Klaus Zehelein an, der aus Altersgründe nicht mehr kandidierte.

Frau Professor Kisseler, zunächst eine Frage, die durchaus auch persönlich gemeint ist: Sie haben ja als Senatorin für Kultur in der Freien und Hansestadt Hamburg eigentlich einen Fulltimejob. Wieso haben Sie trotzdem Lust darauf, die Präsidentschaft des Deutschen Bühnenvereins zu schultern?

Barbara Kisseler: Meine gar nicht so stille Liebe gehört eindeutig dem Theater. Und da ich zudem den bisherigen Präsidenten Klaus Zehelein und seine Arbeit seit vielen Jahren kenne und bewundere, war das für mich zwar zunächst eine verblüffende Offerte. Aber dann habe ich gedacht: Ich habe mich im Laufe meiner Tätigkeit immer wieder über das Verhältnis zwischen Theater und Politik geärgert. Diese Möglichkeiten, die einem die Präsidentschaft des Deutschen Bühnenvereins bietet, die muss ich einfach nutzen, weil ich wirklich für das Theater etwas bewegen möchte. Und außerdem kann ich jetzt in jedes Theater der Republik reisen und mir was angucken – und das dann immer als Aufgabe im Rahmen meiner Tätigkeit deklarieren. Darauf freue ich mich – ganz persönlich!

Na das ist doch auf jeden Fall schon mal ein guter Grund. Mögen Sie so unmittelbar nach Ihrer Wahl noch ein bisschen mehr zu Ihren Zielen sagen?
Barbara Kisseler: Es gibt ja im Moment, und das heftiger als früher, schon eine Diskussion über die Relevanz von Theater: Welche Aufgaben soll das Theater in der Gesellschaft übernehmen? Welche Aufgaben kann es überhaupt übernehmen vor dem Hintergrund einer komplizierten Wirklichkeit, die immer stärker durch Globalisierungsphänomene, Segregationstendenzen und Migration geprägt wird? Ich glaube, wir müssen stärker als bisher in der Gesellschaft neue Allianzen für das Theater finden. Und dazu möchte ich beitragen. Man kann sich nicht mehr einfach nur hinstellen und sagen: Politik ist ignorant, und deswegen geht’s uns nicht gut. Man muss auch am Theater selber potentielle Defizite, die wir noch haben, erkennen: Wo ist es uns noch nicht gelungen, die Akzeptanz für unsere Notwendigkeit zu vermitteln? Ich bin überzeugt davon, dass das Theater einer der Orte ist, die für die Zukunftsfähigkeit dieser Gesellschaft sorgen können. Wir, die Theater und auch wir im Bühnenverein, müssen uns überlegen, wie wir das hinkriegen und wie wir die Sensibilität meiner Kollegen in der Politik für dieses Potential wecken können – stärker, als sie bisher in einigen Fällen zu sein scheint. Ich glaube, dabei geht es auch ein bisschen darum, den Abbau von Unwissen voranzutreiben und deutlich zu sagen, dass Theater einfach die Ressource ist, die wir in unserer Gesellschaft heute und morgen brauchen.

Wenn ich Sie richtig verstehe, sehen Sie also gerade in dieser Doppelrolle als Politikerin und Präsidentin, die es ja beim Bühnenverein zuletzt bis 1981 gegeben hat, danach waren alle Präsidenten Intendanten – dann sehen Sie also gerade in dieser Doppelfunktion eine Chance, weil sie ja auf der Seite derer stehen, die Sie erreichen wollen.
Barbara Kisseler: Na ja – wir haben auf dieser Jahreshauptversammlung von Professor Heinz Bude den Begriff der „gefährlichen Begegnung“ gelernt. Vielleicht zählen ja auch die Begegnungen zwischen Theaterleuten und Politikern zu diesen gefährlichen Begegnungen. Ich glaube, für mich ist es leichter als für jemand, der aus dem Theater selber kommt, auf die Politiker zuzugehen, weil ich natürlich auch deren Befindlichkeiten und Zwänge anders kenne als die Theaterleute. Und ich kann ja vielleicht auch dadurch ein bisschen mehr bewegen, weil ich nicht als erstes hingehe und sie beschimpfe.