Burghofbühne in Dinslaken

Burghofbühne in Dinslaken

Droht an der Burghofbühne in Dinslaken der große Theaterabbau?

© Foto: Landestheater Burghofbühne
Zwischenruf

Burghofbühne Dinslaken in Gefahr

von Stefan Keim
Der Kreis Wesel will sich aus der Finanzierung des kleinsten NRW-Landestheaters zurück ziehen

Eigentlich ließe sich eine Erfolgsgeschichte erzählen. Seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren hat Mirko Schombert, der neue Intendant der Burghofbühne Dinslaken, die Zahl der Gastspiele um 50 Prozent erhöht, eine Bürgerbühne gegründet und sich mit vielen sozialen Initiativen vernetzt. 30 Prozent seines Etats spielt das kleinste Landestheater Nordrhein-Westfalens selbst ein, mehr leistet kaum eine andere Bühne. Trotzdem will der Kreis Wesel seine Mitgliedschaft kündigen und seinen Beitrag von knapp 300 000 Euro streichen. Das würde 20 Prozent des Gesamthaushalts von 1,5 Millionen Euro ausmachen, die Burghofbühne könnte nicht mehr arbeiten.

47 Prozent trägt das Land NRW, drei Prozent die Stadt Dinslaken. Die Fraktionen von CDU, Grünen und FDP, die eine sogenannte „Jamaika-Koalition“ im Kreistag bilden, hoffen, dass diese Partner ihre Zuschüsse erhöhen. Das scheint allerdings pure Fantasie zu sein, denn Dinslaken ist eine arme Stadt, und das Land fördert nur, wenn es engagierte Partner an seiner Seite weiß. Gegen die Arbeit der Burghofbühne argumentiert niemand, im Gegenteil. Der einzige Grund, der für den Ausstieg angeführt wird, ist der Sparzwang.

Die Argumente gleichen sich an vielen Orten. Befürworter von Kulturkürzungen meinen, alle müssten ihren Beitrag leisten und wenn Angebote wegfallen, sei das eben so. Vertreter der Kultur halten dagegen, die Einsparungen würden im Gesamtetat – hier des Kreises Wesel – überhaupt nicht zu spüren sein, aber maximalen Schaden im öffentlichen Leben anrichten.

Die hohe Verschuldung bis Überschuldung treibt Städte, Kreise und Gemeinden in eine immer panischere Fixierung auf die Zahlen. Es ist zwar richtig, dass es mit der Misswirtschaft nicht weiter gehen kann. Aber die Zinsen müssen sich nur um einen Prozent erhöhen – worauf niemand Einfluss hat -, und die ganze Finanzkonstruktion bricht zusammen. Dann hätte man nichts gewonnen, aber viel verloren, nämlich Theater, Museen, Schwimmbäder, Büchereien. Je nachdem, was gerade geschlossen werden soll. Wer in der Krise handlungsfähig bleibt und eine Vorstellung von der Zukunft seiner Stadt oder Region hat, zeigt politisches Format.

Die Burghofbühne leistet kulturelle Basisarbeit. Die Kinder- und Jugendstücke im Tenterhof, der kleinen Spielstätte, sind enorm wichtig für das Leben in einer Stadt, die von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt ist und aus der radikalisierte jugendliche  Salafisten in den Nahen Osten gezogen sind. Die Ruhrtriennale hat in Dinslaken-Lohberg ihre Saison eröffnet, um ein Zeichen zu setzen. Die regelmäßige kulturelle Arbeit leistet die Burghofbühne, auch mit Lesungen und Diskussionen, mit der Unterstützung von Theater-AGs, mit Jugend- und Seniorenclubs.

Diese Arbeit aufs Spiel zu setzen, ist grob fahrlässig. In nur zwei Wochen soll die Entscheidung durch den Kreistag gepeitscht werden, damit möglichst keine störende öffentliche Diskussion stattfinden kann., Diese Vorgehensweise ist undemokratisch. Bei den Grünen in Dinslaken ist Entsetzen ausgebrochen, die Kreistagsfraktion hatte sich nicht mit ihnen abgesprochen. Hoffentlich finden sich bilden sich auch in anderen Parteien Koalitionen der Vernunft, um die Hasardeure im Kreistag zurückzupfeifen. Es gibt eine erdrückende Zahl an Argumenten für den Fortbestand der Burghofbühne und dagegen nur die Angst überforderter Provinzpolitiker vor der Schuldenfalle.