Kölner Katastrophe

Die Wiedereröffnung von Oper und Schauspiel in Köln ist – kurz vor knapp – geplatzt. Und zwar gehörig. Schon vor einem Jahr war der Eröffnungstermin um ein paar Wochen nach hinten geschoben worden, nun ist auch der 7. November 2015 als Termin des feierlichen Wiedereinzugs nicht mehr zu halten. Dabei hatte die Stadtverwaltung schon vor einiger Zeit die Parole ausgegeben, die Einhaltung sei von größter Wichtigkeit für die Stadt, andere Stimmen sagten längst, sie sei schlicht nicht mehr vorstellbar.

Die bislang wenig glänzende Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach hat laut Kölner Stadtanzeiger bei einer Baustellenbesprechung gesagt, dass „der Termin vor die Kosten gestellt“ werde. Dass das Projekt nun nicht nur später, sondern auch deutlich teurer wird, ist damit um so absehbarer. Die Stadt unter Führung von Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hat es trotz aller Anstrengungen nicht geschafft, die übliche Blamage von der Stadt abzuwenden.

Schlimmer sind die Folgen aber für die Bühnen. Während Schauspielintendant Stefan Bachmann im Vorwort des neuen Spielzeithefts noch ein Gebet für den – von ihm wohl schon stark angezweifelte – Rückzug bemüht, hat Opernintendantin Birgit Meyer in ihrem Büchlein den Neustart im renovierten Riphan-Bau als unerschütterliche Grundlage der Spielzeit dargestellt. Dabei scheint die Oper keinerlei alternative Spielorte zu haben. Das Opernzelt ist wieder für Musicals vermietet. Das Schauspiel kann immerhin noch im (kleineren) Depot 2 in der Mülheimer Übergangsspielstätte spielen.

Wie lange die Verzögerung dauern wird, scheint noch nicht sicher. In anderen Städten dauern Verzögerungen bei großen Bauprojekten auch mal Jahre. Keine guten Aussichten für das Theater in Köln. Eine Katastrophe, keine Überraschung.

Detlev Baur