Ein Ende mit heilsamem Schrecken

Das soll jetzt wirklich nicht zynisch klingen. Aber ich bin davon überzeugt, dass das jetzt durch den Ausstieg des Sponsors Deutsche Post besiegelte Aus für das Bonner Festspielhaus für Beethoven ein Segen für die gesamte Kulturszene der Stadt ist. Da hatte sich zu Bonn am Rhein eine unheilige Koalition aus glamourbetörten Kulturträumern und geltungssüchtigen Großsprechern zusammengefunden, eine Lobby aus Politik und Wirtschaft, die den Beweis, dass die Mehrheit der Bürger hinter ihr steht, stets schuldig blieb. Und die einfach nicht wahr haben wollte, dass so ein Projekt mehr Geld kostet, als die Stadt Bonn mit ihrem gebeutelten Haushalt aufbringen kann.

Dass sich so ein Architektur-Monument ohne erhebliche Finanzlast für die Stadt bauen und als Festspielstätte auf Weltniveau betreiben lässt, das war von Anfang an ein Wunschtraum. Und der erinnerte in seiner Blauäugigkeit fatal ans das Finanzdesaster mit dem eben eingeweihten World Congress Center Bonn, von dem einst auch vollmundig versprochen wurde, dass es die Stadt nichts kosten werde – und das nun den Stadtsäckel voraussichtlich im dreistelligen Millionenbereich belasten wird.

Spätestens seit einem vor wenigen Tagen öffentlich gewordenen Gutachten der Beratungsfirma Actori, für jeden realistisch denkenden Kulturfachmann aber auch schon viel früher, war absehbar, dass der Stadt mit dem Festspielhaus ein gewaltiges Kostenrisiko drohte. Dafür hätte im Fall des Falles die gesamte Bonner Kultur bluten müssen. Bonn hat seit Jahren seine Hausaufgaben bei der Gebäudesanierung nicht mehr gemacht: Opernhaus, Beethovenhalle, Kammerspiele Bad Godesberg, Schulen, Stadthaus, Haus der Bildung … überall hat Bonn Baustellen oder gewaltigen Sanierungsbedarf. Am städtischen Theater, an den freien Bühnen, den Bibliotheken, überall wird  gespart – aber für ein schniekes Festspielhaus soll Geld da sein? Das passte nie zusammen.

Deshalb ist dieses Ende mit Schrecken immer noch besser als der drohende Schrecken ohne Ende. Schon jetzt hat der teure Wunschtraum Geld und wertvolle Zeit verschlungen. 2020 will Bonn Beethovens 250. Geburtstag feiern. Wenn daraus etwas werden soll, gilt es nun, sich schnellstens um die Umwidmung der für das Festspielhaus vorgesehenen Mittel zu kümmern, soweit das möglich ist. Und den Umbau der alten Beethovenhalle voranzutreiben. Seit Jahren hat die Festspielhaus-Lobby dieses beachtliche 50er-Jahre-Bauwerk schlechtgeredet. Zu Unrecht. Beethoven war schließlich Komponist, kein Architekt. Seine Musik braucht in Bonn ein Haus. Und die Beethovenhalle ist ein architektonisches Denkmal, in dem man sie zur Freude der Zuhörer spielen und den Geburtstag des Komponisten in Würde feiern kann. Aber nur, wenn man sie endlich auf entsprechendem Niveau saniert und weiterentwickelt. Wenn es den Festspielhaus-Freunden wirklich jemals um Beethoven ging, müssten sie sich jetzt eigentlich sofort als Freunde der Beethovenhalle bekennen. Wenn es ihnen aber nur um Glamour, Geltung und Prestige ging – dann bestätigen sie im Nachhinein, dass ihr eitles Luftschloss vollkommen richtigerweise eingestürzt ist.

Detlef Brandenburg