Besser spät als nie: Sasha Waltz und das Berliner Staatsballett

Man kann es beinahe hören – das laute „ENDLICH!“, das die soeben bekannt gewordene Berufung von Sasha Waltz an die Spitze des Berliner Staatsballetts in den Köpfen zahlreicher Tanzjournalisten ausgelöst haben dürfte.

Als der spanische Choreograph Nacho Duato vor zwei Jahren die Nachfolge des (ja auch nicht immer ganz unumstrittenen!) russischen Tanzstars Vladimir Malakhov antrat, wirkte er, um es mal vorsichtig zu formulieren, nicht gerade motiviert. Ja, die Berliner Kritik urteilte hart über die Trägheit und mangelnden Visionen Duatos. Doch nicht zu unrecht: Müde und lustlos kündigte er an, das Staatsballett erst einmal kennenlernen zu wollen, auf neue Kreationen musste das Publikum lange warten, sie blieben und bleiben rar gesäht  stattdessen viele aufgewärmte, alte Stücke. Und das in der Metropole Berlin? Am Staatsballett?

Eine Weile sah es jetzt so aus, als sei Berlin nicht unbedingt die Hauptstadt des Tanzes. Vielmehr richteten sich die sehnsüchtigen Blicke vieler Tanzjournalisten und -liebhaber beispielsweise nach Düsseldorf bzw. Duisburg, wo der Chefchoreograph des Balletts am Rhein, Martin Schläpfer, seit Jahren ein hochklassiges Programm anbietet. Was in der Hauptstadt Berlin blieb, war die große freie Szene – und natürlich Sasha Waltz in ihrem Stammhaus, dem Radialsystem V, die mit ihrer 1993 gegründeten Compagnie Sasha Waltz & Guests schon lange zu den wichtigsten deutschen Choreographinnen zählt. Erste Pläne, nach denen Sasha Waltz bereits 2014 an die Spitze des Staatsballetts hätte berufen werden sollen, wurden wieder verworfen. Nun hat man in Berlin wohl erkannt, dass es am Staatsballett nicht weitergehen kann wie bisher. Und dass ein Führungswechsel nötig ist. Sasha Waltz, also doch! Jedenfalls als Ko-Intendantin, zusammen mit dem Direktor des Royal Swedish Ballet, Johannes Öhman. Natürlich heißt das, dass sich die heftig international tourende Choreographin wieder ganz anders auf Berlin einlassen müsste als bisher, ihren Fokus entschiedener als in den letzten Jahren hierher legen müsste. Ob und wie das funktioniert, wird sich zeigen aber das steht auf einem anderen Blatt. Erfreulich ist in jedem Fall, dass Sasha Waltz nun von der Berliner Kulturpolitik die Anerkennung erhält, die sie verdient. Besser spät als nie!

Bettina Weber