Pegida pöbelt gegen Kinder in Dresden

Es gab anfangs einige von ihnen. Einige Anhänger, und einige Versteher der in Dresden verwurzelten Pegida-Bewegung. Und es ist nicht lange her, da setzte sich auch manch ein Politiker und mit Christian Thielemann, dem Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle, sogar ein hochprominenter Vertreter der Kultur öffentlich für mehr Verständnis ein: Nicht alle Leute, die mit Pegida auf die Straße gehen, seien Nazis, nein, mit dabei seien eben auch viele besorgte Bürger – und deren Sorgen müsse man ernst nehmen. Wie die – glücklicherweise schrumpfende – Pegida-Bewegung wirklich einzuschätzen ist, wurde am Montagabend noch einmal erschreckend deutlich: Einem Bericht der Sächsischen Zeitung zufolge bedrohten Teilnehmer des Pegida-Demonstrationszuges eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die gerade aus einer Aufführung des Dresdener Schauspielhauses kam. Sie alle waren Teilnehmer des Festivals Schultheater der Länder.

Aus allen 16 Bundesländern sei der Theaternachwuchs angereist, so ein Verantwortlicher des Kultusministeriums, darunter auch Kinder mit Migrationshintergrund, wie aus dem Artikel hervorgeht. Offenbar hatten die „Pegidas“ die Gruppe fälschlicherweise als Teil des Gegendemonstrationszuges wahrgenommen. Die Folge waren Drohungen wie „Euch kriegen wir auch noch“. Einem Augenzeugen zufolge wurden einzelne Kinder sogar geschubst. Pöbel(n) gegen Kinder. Pegida-Gründer Lutz Bachmann leugnete dem Zeitungsbericht zufolge das Geschehnis: Zu dem Vorfall sei es nie gekommen. Wenn darüber nichts im Polizeibericht stehe, könne es auch nicht passiert sein.

Sich über solche Taten zu empören, gehört meines Erachtens zum Selbstverständnis eines „besorgten Bürgers“. Wer aber mit solchen Leuten gemeinsam auf die Straße geht, ergo: sich ihnen zuordnet, kann doch per definitionem gar nicht mehr nur besorgter Bürger sein. Den Pegida-Verstehern sollte es vor dem Hintergrund einer solchen Meldung die Sprache verschlagen. Und die Pediga-Mitglieder werden hoffentlich auch verstummen, irgendwann.

Bettina Weber