Zukunftsperspektive

Zum Theaterpakt von Mecklenburg-Vorpommern

Ein Kommentar von Detlef Brandenburg 

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. So ein Lichtlein hat nun Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig der Kulturpolitik ihres Landes aufgesteckt. Und das war nötig. Denn bei der vom früheren Kulturminister Mathias Brodkorb 2012 forsch auf den Weg gebrachten Theaterreform, die dann, als Brodkorb bereits Finanzminister war, ebenso forsch gegen die Wand fuhr, ging am Ende gar nichts mehr.

Wenn man jetzt Schwesigs Agieren beim recht überraschend einberufenen Theatergipfel am gestrigen Dienstag mit dem Brodkorbs vergleicht, zeigen sich gleich mehrere wohltuende Unterschiede. Und die liegen nicht in den nackten Zahlen allein. Obwohl die eindrucksvoll sind. Schwesig will die Theaterförderung des Landes von 36 Millionen auf 40 Millionen Euro erhöhen. Außerdem soll es eine Dynamisierung von 2,5 Prozent geben, damit die Tarif- und Kostensteigerungen die Theater zumindest nicht völlig überrollen. In zehn Jahren hätte das Land dann mehr als 50 Millionen Euro bereitzustellen. Hinzu kommt eine weitere Unterstützung der Kommunen bei der tariflichen Anpassung der Löhne, die derzeit oft nach Haustarifverträgen gezahlt werden.

Mindestens ebenso wichtig ist aber ein anderes Signal: Kulturpolitik ist ab jetzt in Meck-Pomm Chefsache. Dafür gibt es in einer Region, die mit sozialer Desintegration und dem Abdriften vieler Menschen zu den Rechtpopulisten oder gar Rechtsextremen kämpft, sehr gute Gründe. Zumal die Chefin offenbar besser als Brodkorb verstanden hat, wie Theaterförderung geht. Man darf sie nicht zum direktiven Instrument einer Kulturpolitik von oben herab machen. Gut möglich, dass Schwesig das als Aufsichtsrätin des Theaters in Schwerin gelernt hat, wo ihr die Theaterleute Einfühlung und Interesse für deren Sache bescheinigen. Dass sie parallel zu den Finanzzusagen alle Fusionsforderungen einkassiert hat, zeigt, dass die Ministerpräsidentin die kommunalen Identifikations-Potentiale der Bühnen erkannt hat und den Gestaltungsanspruch der Kommunen für „ihre“ Theater respektiert – auch wenn die oft genug kaum Geld haben, die Zeche zu bezahlen.

Sie werden sich auf höhere Kosten einstellen müssen. Und es werden weiterhin Stellenstreichungen nötig sein. Aber der nun geschlossene Theaterpakt läuft dann ja auch auf zehn Jahre – und das heißt: Er ist nachhaltig. Die Theater in Mecklenburg-Vorpommern haben wieder eine Zukunft.