Reese für Peymann

 

2017 ist es soweit. Claus Peymann gibt die Leitung des Berliner Ensembles ab – nach 18 Jahren, die hervorragende Auslastungen und altväterliches Theater brachten.

Immerhin hatte zuletzt Leander Haußmann das Theater neu belebt. Man darf es Peymann als Verdienst anrechnen, dass er den Regisseur fürs Theater wiedergewonnen hat. Eigentlich hätte sich Haußmann da als Nachfolger angeboten, was er selbst auch schon öffentlich aussprach. Entweder war er da aber zu nassforsch oder die Berliner Kulturpolitik traute dem chaotischen Ex-Intendanten in Bochum (Haußmann, nicht Peymann) nicht zu, das BE ordentlich zu führen.

Oder aber man hatte schon mit Oliver Reese verhandelt, der lange in Berlin gewirkt hat; als Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Theater sowie als erfolgreicher Interimsintendant am DT. Am Schauspiel Frankfurt ist Reese seitdem beim Publikum erfolgreich, hat ein hervorragendes Ensemble; das Programm wirkt nicht sonderlich gewagt, hat aber durchaus Niveau. Reese könnte in der Berliner Theatervielfalt genau der richtige Leiter sein für ein solides, wenn nicht konservatives, Texten und Schauspielern vertrauendes Haus, das dennoch zeitgemäß und damit auch künstlerisch attraktiv wirkt.

 

Detlev Baur