Rauswurf für
einen Kritiker

Nun hat die Rostocker Ratsmehrheit dem Volkstheater-Intendanten Sewan Latchinian tatsächlich den Stuhl vor die Tür gesetzt! Sein ungeschickter Vergleich zwischen dem Abbau am Volkstheater und der Zerstörung antiker Kulturdenkmäler durch die ISIS-Marodeure hat ihn die Intendanz gekostet. Oder spielten auch andere Gründe eine Rolle? Beobachter sehen in dem vom Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling forcierten Rausschmiss auch den Versuch, einen prominenten Kritiker der von Kulturminister Mathias Bordkorb vorangetriebenen Theaterreform in Mecklenburg-Vorkpommern mundtot zu machen.

Und wie der Zufall so spielt, erreichte uns kurz zuvor die Nachricht von der Entlassung Boris Mezdritschs, des Intendanten der Staatsoper in Nowosibirsk. Den haben die von konservativ-kirchlicher Seite lancierten Vorwürfe wegen Blasphemie und Stiftung sozialen Unfriedens in Zusammenhang mit der „Tannhäuser“-Inszenierung von Timofej Kuljanin den Chefsessel gekostet. Das ist nun also die Gesellschaft, in der Rostock sich wiederfindet. Durch eine zufällige zeitliche Konstellation, sicher. Aber manchmal ist der Zufall listig. Und manchmal ist er auch von entlarvender Bosheit.