Oper ohne Ensemble in Wuppertal?

Bereits im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, dass der Chefdirigent der Wuppertaler Sinfoniker und künftige Opernintendant Toshiyuki Kamioka auf ein eigenes Ensemble verzichten und das Wuppertaler Opernhaus mit Gast-Besetzungen im Stagionebetrieb bespielen will. Nun erhalten diese durch einen Bericht der Westdeutschen Zeitung neue Nahrung. Die Mittel reichen für ein festes Ensemble einfach nicht mehr aus, so wird in der WZ ein Mitglied des Betriebsrats zitiert. Mag sein, dass das so ist. Aber ob so ein Haus mit Gästen die Lösung dieses Problems sein wird oder aber der Anfang vom Ende für die Oper in Wuppertal, bleibt abzuwarten.

Denn mit den Künstlern verliert so ein Haus auch eine ganze Palette an Möglichkeiten der Publikumskommunikation. Unverwechselbarkeit, künstlerisches Engagement über die Vorstellung hinaus, in pädagogischen Projekten, Zusatzveranstaltungen, Publikumsgesprächen, all das ist so nicht mehr möglich. Und das Publikum verliert Persönlichkeiten, mit denen es das Haus identifizieren, an die es sich binden kann. So wird Kunst zur Dienstleistung, pünktlich geliefert und ordentlich bezahlt, aber austauschbar, kurzlebig. Auf ähnliche Weise verspielte vor ein paar Jahren die Oper in Bremen ihren Rückhalt beim heimischen Publikum. Und das Theater an der Wien, immer wieder als Paradebeispiel für die Qualität eines solchen Stagionebetriebs angeführt, funktioniert als Zusatzangebot in einer breit aufgestellten Theaterszene, aber keineswegs als Stadttheater. Wenn sich die WZ-Meldungen bewahrheiten, dann fährt Kamioka einen riskanten Kurs. Wenn er auf Grund läuft, wird er anderswo ein anderes Opernschiff finden. Ob aber die Wuppertaler ihre Oper danach wieder flott bekommen, steht in den Sternen.

Detlef Brandenburg