Moritz Rinkes lustige Gespenster

Also ich mag Moritz Rinke wirklich sehr, aber dieses Interview geht allenfalls unter satirischem Aspekt durch (und ist so gesehen auch ganz lustig). Aber im Ernst, lieber Moritz Rinke: Wo gibt's denn noch die E- und U-Trennung im deutschen Theater? Und wo eine E-Fraktion, die Angst hat, sich unter Niveau zu amüsieren? Schon mal bei Herbert Fritsch gewesen in den letzten Jahren, gern gespielt auch an den größeren Theatern, denen Sie hier pauschal „provinzielle Selbstreferenz“ und Publikumsfeindlichkeit unterstellen? Und wo haben Sie denn die „unentspannten“, „lichtscheuen“ Regisseure getroffen, denen Publikumserfolge peinlich sind? Vielleicht sollten Sie einfach mal ganz entspannt mit Barrie Kosky eine Tasse Kaffee trinken. Ist unglaublich locker drauf, der Typ. Und enorm erfolgreich. Und sogar noch stolz drauf. Unlängst habe ich ein Interview mit Benedikt von Peter gemacht: Ein ganz schlimmer postdramatischer Opernregisseur! Trotzdem saßen wir bei bestem Fotolicht (sagte sogar der Fotograf!) unter blauem Himmel – in Bremen, wo Ihnen das Theater ja auch nicht so richtig gefällt. Und der Benedikt von Peter war gerade total glücklich, weil seine vollkommen dekonstruierte „La traviata“ beim Publikum gut läuft. Nein – E und U, Lachen verboten und das Publikum als Feind des guten Theaters – das sind doch Gespenster von gestern. Und so alt, lieber Moritz Rinke, sind Sie doch noch gar nicht. Oder?  

Detlef Brandenburg