Achterbahnfahrt in Rostock

Es ist ein Auf und Ab: Erst vor rund 14 Tagen hatte die Rostocker Bürgerschaft den Intendanten des Volkstheaters Sewan Latchinian wegen seines Vergleichs des Kulturabbaus in Mecklenburg-Vorpommern mit den Kulturzerstörungen vor die Tür gesetzt (siehe dazu unseren Zwischenruf vom 31.3.). Und nun wollen sie ihn wiederhaben. Am Montagabend (13.4.), so meldet es die Ostsee-Zeitung, zog die Bürgerschaft die Kündigung zurück.

Die Kurzatmigkeit der Beschlusslage hat einen interessanten Grund: Bei der Abberufung Latchinians hat der "Hauptausschuss" der Bürgerschaft abgestimmt, es war von einem Sechs-zu-fünf-Stimmen-Verhältnis die Rede. Laut Website der Hansestadt zählt die gesamte Bürgerschaft aber 53 Mitglieder, 29 von ihnen wollen Latchinian nun doch behalten. Natürlich kommt damit die Frage auf, wie die Entscheidung der Bürgerschaft in der ersten Runde ausgefallen wäre, hätte nicht der Hauptausschuss, sondern die gesamte Bürgerschaft abgestimmt. Wollten die 29 ihn überhaupt jemals loswerden? War das Ganze ein Art Alleingang des Hauptausschusses? Vielleicht aber hat auch der öffentliche Druck Wirkung gezeigt.

Sewan Latchinian dürfte sich jedenfalls über die Wendung freuen, nachdem er angekündigt hatte, gegen die Kündigung rechtlich vorgehen zu wollen. Und so viel in Rostock auch noch im Argen liegen mag - mit Latchinian käme immerhin jemand zurück ans Volkstheater, der sich für das Haus und alle seine (jetzigen) seine Sparten einsetzt.

Bettina Weber