Keine Weitsicht in Sicht

Nun müsse die Politik Farbe bekennen, forderte Olaf Zimmermann, nachdem der Kulturkonvent Sachsen-Anhalt seine Arbeit abgeschlossen hatte. Der hatte als eine, aber nicht einzige Empfehlung eine Erhöhung des Kulturetats um 15 auf 100 Millionen Euro gefordert, weil die Kultur eine der wichtigen, wenigen Ressourcen des Landes sei. Nun hat die Politik, in Person des Kultusministers Stephan Dorgeloh (SPD), nach wochenlangem Schweigen ihre Farbwahl bekanntgegeben. Es ist das genaue Gegenteil der Experten-Empfehlung. Die Theater in Halle und Dessau sollen jeweils drei Millionen Euro weniger bekommen, für die Landesbühne Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Eisleben soll gar kein Landes-Geld mehr dasein.

Das hätte man auch schon vor 14 Monaten haben können. So lange tagten die 36 Vertreter im von der Landesregierung einberufenen Kulturkonvent, mit Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, als nicht stimmberechtigtem Moderator. Einen Kulturentwicklungsplan bis 2025 sollten sie entwerfen, heraus kamen 163 Empfehlungen, medienwirksam an Dorgerloh und Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) übergeben.

Aber hat überhaupt ein Politiker in diese gebündelten Ratschläge hineingeschaut oder hat man sie gleich als nett, aber nutzlos abgeheftet? Was Dorgerloh nun ankündigt, ist ja nichts weiter als eine Streichliste – und genau die wollten die Experten nicht liefern, wollten, obwohl es anfangs ein bißchen anders aussah, kein Kulturabbaukonvent sein.

Aber vielleicht war das ja der Fehler. Vielleicht sollten die Experten der Politik ja das Mäntelchen liefern, unter dem man die so aktuelle wie einfallslose Streich- und Sparpolitik weiterführen wollte – mit dem Hinweis, die Experten seien ja auch dieser Meinung. Sind sie aber nicht – und nicht nur Olaf Zimmermann, der immer verkündet hatte, er gehe davon aus, dass die Empfehlungen umgesetzt würden, muss sich düpiert fühlen. Ähnlich dürfte es Johannes Rieger, Intendant des Nordharzer Städtebund Theaters, gehen. Er soll die Häuser in Halberstadt und Quedlinburg per 1. Januar 2014 mit der Landesbühne in Lutherstadt Eisleben fusionieren. Dafür hatte er vor Monaten öffentlich finanzielle Sicherheit gefordert, schreibt im neuen Spielzeitheft (noch) vom Vertrauen auf die Weitsicht der Politiker. Deren Antwort lautet: Streichung der Landesförderung für Eisleben. Und damit könnte die Schließung dieses Theaters absehbar sein – mit dem größten Bedauern natürlich. Nicht nur in diesem Punkt sieht eine verläßliche, nachhaltige Kulturpolitik sehr anders aus.

Ute Grundmann