Salzburgs Festspielbezirk bei Nacht.

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Zwischenruf

Kommentar zu Alexanders Pereiras Demission in Salzburg

von Detlef Brandenburg
Schon wieder geht ein Intendant der Salzburger Festspiele vorzeitig und nach Streitigkeiten: Alexander Pereiras Amtszeit endet 2014, bereits 2015 übernimmt er die Leitung der Mailänder Scala.

Der Streit um den Wechsel Alexander Pereiras von den Salzburger Festspielen an das legendäre Teatro alla Scala in Mailand hat nun doch noch ein halbwegs friedliches Ende gefunden: Bereits 2014, und nicht wie vertraglich vorgesehen 2016, endet Pereiras Intendanz in Salzburg, die Spielzeiten 2015 und 2016, von Pereira bereits vorgeplant, werden vom derzeitigen Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf und der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler verwaltet. Bis 2017 soll dann ein neuer Intendant gefunden werden.

Die ganze Querele ist für keine der beiden Seiten ein Ruhmesblatt. Erneut verlässt damit – keine drei Jahre nach Jürgen Flimms Abgang an die Lindenoper – ein künstlerischer Leiter vorzeitig die Festspiele, wieder im Streit mit dem politische besetzten Kuratorium, dem noch wenige Intendanten ein gutes Zeugnis ausgestellt haben. Gerard Mortiers Streitigkeiten insbesondere mit der Festspielpräsidentin Rabl-Stadler sind legendär, Flimm sprach unlängst in der Bunten von einem „Intrigenstadl“.

Pereira hatte in Salzburg genau das getan, womit er auch als Leiter der Oper Zürich erfolgreich war: Er hat die Sponsorenakquise forciert und damit den Etat aufgeblasen. Das war durchaus vorhersehbar – nur für das Kuratorium, das ihn nach Salzburg geholt hat, offenbar nicht, das ihn prompt an die Leine legen wollte, wogegen Pereira sich wehrte. Dass ihm da das Angebot aus Mailand recht kam, darf man vermuten. Dass nun erneut ein Intendant noch nicht einmal seine erste Vertragslaufzeit in Salzburg voll erfüllt, ist gleichwohl ein schädliches Signal der Stillosigkeit, ausgesandt ausgerechnet von der Chefetage eines Festspiels mit Anspruch auf Weltniveau.

Man könnte jetzt also eine Sorgenelegie anstimmen auf das ramponierte Renommee der traditionsreichen Festspiele, dessen Kuratorium gern ältere Herrn im Pensionsalter auf den Chefsessel bittet, weil es sich von den Routiniers erst die Zukunft verspricht, sie dann aber solange striezt, bis sie’s nicht mehr aushalten. Doch dazu besteht kein Anlass. Denn hinter dem Timing des Interims steckt eine List der Vernunft – jawohl, man glaubt es kaum: der Vernunft! Just 2016 nämlich endet in Wien die erste Amtszeit des Festwochen-Leiters Markus Hinterhäuser – jenes Markus Hinterhäuser, der als Leiter des Zeitfluss-Festivals und später, unter Jürgen Flimm von 2007 bis 2011, als Konzertdirektor der Salzburger Festspiele mit seinen mutigen, phantasievollen und hochintelligenten Programmen Lob einheimste, der dann bei der letzten Intendantenkür aber gegen Pereira unterlag und die Festspiele nach Flimms Abgang doch einen Sommer lang leitete.

Hinterhäuser stünde also 2017 zur Verfügung. Er war in Salzburg stets Everybody’s Darling, zugleich aber ein ambitionierter Manager und innovativer Programmmacher. Ihm wäre es sogar zuzutrauen, mit dem Kuratorium gut auszukommen. Salzburgs Bürgermeister und Kuratoriums-Mitglied Heinz Schaden, Hardliner der Salzburger Kritik an Pereira, wurde in der Zeitung Der Standard bereits mit den Worten zitiert: "Markus Hinterhäuser ist uns willkommen, diese Jahreszahl 2017 ist nicht zufällig". Da wundert es einen dann auch nicht mehr, dass das Kuratorium auf eine Findungskommission verzichten zu können glaubt. So also fügt der österreichische Weltgeist aus Murks doch noch eine Strategie. Tu felix Austria!