Anhaltisches Theater Dessau

Anhaltisches Theater Dessau

Das Anhaltische Theater in Dessau verankerten Bürger und Künstler im Rahmen einer Protestaktion symbolisch mit Seilen und Pflöcken in der Erde

© Foto: Jan-Pieter Fuhr
Zwischenruf

Zwischen Bewahrung und Zerstörung

von Ute Grundmann

Als „lästiges Insekt“ fühlen sich in Sachsen-Anhalt derzeit viele Künstler. So hat es Matthias Brenner, Intendant des Theaters in Halle, beschrieben. Lästig, weil sie darauf bestehen, dass das, was sie auf Bühnen und in Orchestern tun, wichtig für das Land und seine Bürger ist. Lästig auch, weil sie von der Landesregierung offenbar nur noch als Kostenfaktoren gesehen werden, die es zu eliminieren gilt. 

So sieht es derzeit um die Theaterfinanzierung in Sachsen-Anhalt aus und es bewegt sich nicht viel, schon gar nicht zum Besseren. Nachdem der von der Landesregierung installierte Kulturkonvent die Erhöhung des Kulturetats auf 100 Millionen Euro empfahl (siehe DDB 4/2013), tat Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) das genaue Gegenteil und kündigte ein Minus von 7 Millionen an, hauptsächlich zu tragen von den Theatern des Landes.

Für die Landesbühne Sachsen-Anhalt in Eisleben, die kein Landes-Geld mehr bekommen und per 1.1. 2014 mit dem Nordharzer Städtebundtheater fusionieren sollte, hat sich vorerst eine kleine Überlebenschance ergeben. Die Hoppla-Hopp-Fusion war so nicht zu realisieren. Und die Träger – der Landkreis Mansfeld-Südharz und die Städte Eisleben und Hettstedt – kratzten Geld zusammen, um ihren Anteil an der Finanzierung zu erhöhen und so auch zu zeigen, wie wichtig ihnen ihr Theater ist. Nun will das Land doch zwei Jahre lang je 750 000 Euro und noch zweimal je 400 000 Euro geben; die Fusion soll 2016, vielleicht auch erst 2017 kommen.

Um die Bühnen in Halle und Dessau dagegen herrscht gefährliche Ruhe. Sie sollen nach dem Willen von Dorgerloh jeweils 3 Millionen Euro weniger bekommen. Und an dieser Absicht hat sich bis jetzt nichts geändert, Demonstrationen und Gutachten zum Trotz. Die Stadt Dessau (nicht das Theater) ließ sich per Gutachten bestätigen, dass 3 Millionen nicht mal dann einzusparen sind, wenn Schauspiel, Ballett, Puppen- und Kindertheater geschlossen würden. Für die Bühnen in Halle hatte deren Geschäftsführer Rolf Stiska schon zum Spielzeitbeginn den „Scheidepunkt zwischen Bewahrung und Zerstörung“ benannt. Doch es bewegt sich offenbar kaum etwas. Der Kultusminister gibt Interviews, sagt aber wenig. Er bestätigt, dass die Theaterfinanzierung eine brennende Frage sei und fährt fort: „Aber Kultur ist mehr als Theater“. Derzeit warten alle auf die Verabschiedung des Landeshaushaltes – und damit auch des Kulturetats – im November. Die derzeitigen Verträge enden am 31.12. – gibt es keine neuen Vereinbarungen, müssten die Kommunen die Landesgelder ersetzen, was sie definitiv nicht können. Für seine Kulturpolitik bekam er sogar einen Rüffel von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, für den der geplante Neubau eines Bauhaus-Museums und Theaterschließungen nicht zusammenpassen. Doch genau darauf scheint Dorgerloh es ankommen lassen zu wollen: Dass in Halle und Dessau die Scheinwerfer ausgehen. Im neuen Landeskulturkonzept ist jedenfalls schon mal ein Abwicklungsfond eingeplant.