Internationales Patchwork in Alain Platels

Internationales Patchwork in Alain Platels "Tauberbach" an den Münchner Kammerspielen

© Foto: Chris Van der Burght
Zwischenruf

Kommentar: Das neue alte Theatertreffen

Bunte Inszenierung, weniger bunte Mischung beim Theatertreffen: "Tauberbach" von Alain Platel ist eine der zehn erwählten Inszenierungen des diesjährigen Berliner Theatertreffens

Wieder einmal ist es soweit. Die Jury hat getagt und die Auswahl zum Berliner Theatertreffen bekanntgegeben. Zweimal Zürich, einmal Wien, einmal Berlin, einmal Stuttgart, einmal Rimini (Protokoll) und viermal München lauten die nicht wirklich aufregenden Städtenamen. Ungewöhnlich ist allenfalls das Fehlen von Hamburg, auffällig das totale Fehlen kleinerer Häuser aus Ost und West. Die Klagen über die Auswahl sind wie in jedem Fall schon vorprogrammiert. Mutig wirkt die Auswahl auf keinen Fall. Gab es am neuen Maxim Gorki Theater, am klug geführten Staatsschauspiel Dresden oder am experimentierfreudigen Schauspielhaus Dortmund wirklich keine alternativen Inszenierungen?

Herbert Fritsch hat sich mit  „Ohne Titel Nr. 1 // Eine Oper von Herbert Fritsch“ an der Berliner Volksbühne längst als Regisseur etabliert. Hingegen ist Volksbühnen-Langzeit-Intendant Frank Castorf mit „Reise ans Ende der Nacht“ vom Münchner Residenztheater mit seinem Comeback nach elf Jahren schon eine – angenehme und verdiente – Überraschung. Auch „La Cousine Bette“ an der Volksbühne hatte schon gezeigt: Castorf ist zurück, Bayreuth scheint im letzten Jahr eine Art Jungbrunnen für ihn gewesen zu sein. Mit Susanne Kennedy („Fegefeuer in Ingolstadt“ an den Münchner Kammerspielen) und Robert Borgmann („Onkel Wanja“ am Schauspiel Stuttgart) sind immerhin zwei jüngere Neulinge dabei. Und der inzwischen verstorbene Dimiter Gotscheff mit seiner letzten Inszenierung („Zement“ am Münchner Residenztheater). Dass mit Rimini Protokoll „Situation Rooms“ ein interaktives Projekt eingeladen ist, und mit Alain Platels „Tauberbach“ (Kammerspiele) eine internationale Tanzproduktion gehört inzwischen eher zu den Theatertreffen-Routinen. Auch Karin Henkel („Amphitryon und sein Doppelgänger“ Schauspielhaus Zürich) und Alvis Hermanis („Die Geschichte von Kaspar Hauser“ ebenfalls Schauspielhaus Zürich) waren zuletzt eingeladen. Bliebe noch – nach 15 Jahren – die neue Einladung an Burgtheaterleiter Matthias Hartmann („Die letzten Zeugen“ an seinem Haus), eine positive Schlagzeile, die er angesichts der Finanzkrise an seinem Haus gut brauchen kann.

Die Auswahl für die Jury scheint in diesem Jahr größer gewesen zu sein als im Vorjahr. Ob sie aber mehr über die Höhepunkte in der deutschsprachigen Theaterlandschaft als über den Geschmack der Jury erzählt, bleibt eine offene Frage.

Detlev Baur