Zwischenruf

Kommentar: Das Theaterfestival „Impulse“ in Gefahr

von Stefan Keim
Die Kunststiftung NRW will die Theaterbiennale nicht mehr fördern, aber ihr Tod wäre ein schwerer Verlust für die gesamte deutschsprachige und internationale Off-Szene

Schon das letzte Impulse-Festival – das bundesweit bedeutendste, in NRW angesiedelte Treffen der Off-Theaterszene – kam nur mit Hängen und Würgen zustande. Kurator Florian Malzacher musste auf einen ganzen Programmstrang verzichten. Dennoch kam ein anregendes, spannendes Festival zustande. Nun steht die Theaterbiennale ganz vor dem Aus. Denn die Kunststiftung NRW, mit 150.000 Euro in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Förderer, macht nicht mehr mit.

Stattdessen sollen andere Reihen und Projekte der NRW-Off-Szene gefördert werden. Vor allem der Nachwuchs liegt der Kunststiftung am Herzen, zum Beispiel das Festival Cheers for Fears, das Arbeiten von Studenten und Frisch-Absolventen zeigt. Das Impulse-Festival – so die Argumentation – habe sich überholt. Früher hätte das 1990 von Dietmar N. Schmidt gegründete Bestentreffen der deutschsprachigen Off-Szene Aufführungen und Künstler ins Land gebracht, die man noch nicht kannte. Heute seien die Produktionszentren Nordrhein-Westfalens – zum Beispiel das Forum Freies Theater in Düsseldorf, der Mülheimer Ringlokschuppen oder das Pumpenhaus in Münster – selbst international vernetzt. Da könne man sie auch direkt unterstützen.

Das Impulse-Festival hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Idee eines Bestentreffens wurde fallen gelassen, der neue künstlerische Leiter Florian Malzacher denkt in inhaltlichen und ästhetischen Zusammenhängen, will mehr entdecken als ein Best-Of präsentieren. Geblieben ist die große internationale Aufmerksamkeit: Eine Menge Festivalmacher aus aller Welt kommen zu den Impulsen, das Goethe-Institut sponsert Übertitel, die Auslandsgastspiele erleichtern. Wenn die Impulse nun wirklich sterben, fällt das wichtigste Forum der deutschsprachigen Off-Theater weg. Über zweieinhalb Jahrzehnte hat es sich einen internationalen Ruf erarbeitet, das schafft so schnell kein anderes Festival.

Es gibt noch eine Chance. Bei der Bundeskulturstiftung, die das Festival schon unterstützt und nur im vergangenen Jahr pausiert hat, liegt noch ein Förderantrag. Auf dieser Ebene sind die Impulse richtig aufgehoben. Denn das bedeutendste Off-Theaterfestival des Landes zu finanzieren, ist vor allen Dingen eine Bundesangelegenheit. Alternativen scheint es nicht mehr zu geben. Das Schicksal der Impulse liegt also nun in den Händen der Kulturstiftung des Bundes.