Kölns Opernintendant Uwe Eric Laufenberg

Kölns Opernintendant Uwe Eric Laufenberg

© Foto: Thomas Brill
Zwischenruf

Konsequent zerrüttet

von Detlef Brandenburg

Die Stadt Köln hat ihrem Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg die fristlose Kündigung ausgesprochen.
Ein Kommentar

Tja, nun hat’s also wohl doch endgültig gekracht zwischen der Stadt Köln und ihrem Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg. Wer die Tradition der Tollpatschigkeiten und Verantwortungslosigkeiten der Kölner Politik gegenüber ihren Bühnen kennt, dürfte sich darüber kaum gewundert haben.

Es war einmal eine Zeit, da haben die Heinzelmännchen alle Probleme der gesegneten Domstadt gelöst, während die braven Kölner nächtens den Schlaf der Gerechten schliefen. Möglicherweise ist das einer der Gründe, warum man hier bis heute tendenziell problemlösungsentwöhnt und daher etwas aus der Übung ist. Jedenfalls haben, seit die Kölner Politik dafür zuständig ist, große Plätze mangels geeigneter Bauplaung plötzlich tiefe Löcher bekommen; altehrwürdige Kirchtürme fingen U-Bahn-Bau-bedingt an zu wackeln; und das Stadtarchiv ist in einen Schacht geplumpst. Was stets auf Kosten der Steuerzahler ging und im Falle des Stadtarchivs sogar Menschenleben kostete. Auch der Status als Weltkulturerbe stand mal auf dem Spiel, weil man den geliebten Domspitzen mit Hochhäusern Konkurrenz machen wollte. Und ein Kölner GMD (James Conlon) hatte einst einen Vertrag, der ihm die schwere Verpflichtung auferlegte, an der Oper null bis zwanzig Vorstellungen zu dirigieren. Was wiederum der Grund dafür war, dass den Kölner Bühnen auch schon einmal ein Intendant davongelaufen ist (Günter Krämer). Den nachfolgenden Prozess übrigens hat die Stadt damals mit Pauken und Trompeten verloren. Wie die mit Sicherheit zu erwartenden juristischen Auseinandersetzungen um Laufenbergs fristlose Entlassung ausgehen, darf der geneigte Steuerzahler also mit Interesse verfolgen.

Dass das Verhältnis zwischen Laufenberg und der Stadt heillos zerrüttet ist, weiß in Köln und um Köln herum jeder Zeitungsleser, denn Laufenberg gab den Gazetten fleißig Interviews von unnachahmlicher Grazie. Auch wir hier in der Redaktion sind stolze Besitzer zweier Laufenberg-Briefe, deren Liebenswürdigkeiten haarscharf an der Beleidigungsgrenze balancieren. Dass er zu Etatfragen ein Verhältnis hat, das zwar gewöhnungsbedürftig, für viele seiner Partner in der Politik und am Theater aber nicht gewöhnungsfähig ist, konnten man den einschlägigen Berichten ebenfalls längst entnehmen. So tanzte Laufenberg um die Politik herum wie Rumpelstilzchen ums Feuer. Und die Kölner Politik tanzte ums Theater herum wie das Karnevalsvolk um den brennenden Nubbel. Wenn aber der Nubbel tot ist, dann ist der Spaß vorbei und der Karneval zu Ende. Für die Kölner Oper, der noch mehrere Spielzeiten an Ausweichspielstätten bevorstehen, bevor sie wieder ins sanierte Stammhaus einziehen kann, ist das ein böses Omen.