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Zwischenruf

Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses tritt zurück

von Stefan Keim
Staffan Valdemar Holm leidet unter dem Burnout-Syndrom. Deshalb trat der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses am 29. November mit sofortiger Wirkung zurück.

Der schwedische Regisseur Staffan Valdemar Holm trat während seiner zweiten Spielzeit als Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses zurück

Staffan Valdemar Holm, der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, ist mit sofortiger Wirkung zurück getreten. Wegen eines chronischen Burnouts will er sich stationär behandeln lassen. Ein Jahr nach Regula Gerber in Mannheim ist Holm schon der zweite Leiter eines großen deutschen Theaters, den diese Krankheit zur Aufgabe zwingt.

Holm hatte von Anfang an in Düsseldorf große Probleme. Die Renovierung des Schauspielhauses verzögerte sich, die Eröffnung wurde verschoben, noch eine Stunde vor der Premiere wirbelten die Putzkolonnen durchs Haus. Die Proben zu Holms „Hamlet“-Inszenierung fanden unter sehr schlechten Bedingungen statt. Danach hagelte es weitgehend Verrisse, bei den meisten Kritikern kam Holms Versuch, das Schauspielhaus internationaler zu orientieren, nicht an. Der Spielplan wirkte beliebig, es gab eine Menge Flopps. Die Auslastung war mittelmäßig, vor allem das Junge Schauspielhaus hatte in der ersten Spielzeit Probleme. Vor einem halben Jahr lieferte sich Holm einen heftigen öffentlichen Schlagabtausch  mit der Stadt Düsseldorf. Er beklagte, dass die Tariferhöhungen nicht komplett ausgeglichen wurden und Sonderzahlungen für die erste Saison wegfielen. „Wenn es nur um Auslastung geht, dann muss man einen anderen dummen Schweden anrufen“, sagte Holm der Presse, worüber sich wiederum der Kulturdezernent in scharfen Worten aufregte.

Es lief also nicht gerade rund in Düsseldorf. Doch das ist allem Anschein nach nicht der Grund für Holms Rückzug. Der zurück haltende, selbstironische Theatermacher schaute sich zum Beispiel beim Festival „Theaterlandschaften Neues Arabien“ in Mülheim an der Ruhr Aufführungen an, wirkte weiter voller Tatkraft. Doch die Krankheit war stärker, Holm musste einige private Katastrophen verkraften. Seine für März angekündigte Inszenierung von Henrik Ibsens „Peer Gynt“ will Holm nicht absagen. Der Geschäftsführer Manfred Weber übernimmt kommissarisch die Leitung des Schauspielhauses, während die Suche nach einem neuen Intendanten beginnt. In einer ersten Reaktion äußerte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers „großen Respekt“ für Holms Schritt und vor allem für seine Offenheit.

Dass nach Regula Gerber nun der zweite Theaterintendant durch Burnout zur Aufgabe gezwungen wird, stimmt allerdings bedenklich. Der zunehmende Druck, der ständige Überlebenskampf im Angesicht der Finanzkrise und die wachsende Bedeutung der Auslastungszahlen legen zumindest nahe, dass für den Job eines Theaterintendanten ein  dickes Fell nicht mehr reicht. Man braucht schon einen Panzer.