Zwischenruf

Geburtstagsbegegnung: Wagner trifft Verdi (8)

von Wolf-Dieter Peter
Im doppelten Opernkomponisten-Gedenkjahr 2013 wollen wir Ihnen die beiden Geehrten als Begleiter mit auf den Weg durchs Jahr geben. In jedem Monat werden Sie unter unserer "Zugabe" je einen Text zu Giuseppe Verdi und zu Richard Wagner finden. Beide Texte stiften Beziehungen zwischen den beiden großen Männern, beide werden ihr jeweiliges Thema an einer Anekdote aus dem entsprechenden Monat festmachen. Im August geht um Ehrungen der beiden großen Autoren.

Ordensglanz der anderen Art

Es ist nur im Ergebnis eine Parallele zu Verdi: wo der ablehnte, war Wagner grundsätzlich viel zu umstritten und wurde erst gar nicht für eine Ehrung vorgesehen. So gab es schon zu Lebzeiten und bis heute nur eine auf Anhieb zu findende Hochschule, die Wagners Namen trägt. Auch die weltweiten Wagner-Verbände gehen auf eine Gründung Anna Helds aus dem Jahr 1909 zugunsten der Frauen-Bildung zurück.

Doch auf einem anderen Gebiet war Wagner schon ein früher PR-Stratege: der dem Porträt-Fotographie. Da er „nun einmal von Deutschland fern“ sei – nämlich im 12 Jahre dauernden Exil als steckbrieflich gesuchter „1848-Revoluzzer“ – stellte er 1851 fest, „dass Freunde es gern sehen, wenn sie ein gutes porträt von mir (statt eben meiner selbst) vor sich hätten“. So suchte er mehrere damalige Fotoateliers auf und verschickte Fotoporträts: über 260 unterschiedliche sind bekannt. Ab 1864 gibt es sogar eine förmliche Auftragsoffensive für Wagner-Porträts durch König Ludwig II.: Büsten, Ölbilder: eine Wagner-Ikonographie entsteht, die Cosima speziell nach Wagners Tod einzudämmen und zu gestalten sucht.

Doch eine Ehrung ragt heraus. „Aber vielleicht errathen Sie was Iftekhar ist wenn ich Ihnen sage dass Sie ihn nicht da sehen werden wo er bestimmt war zu glänzen sondern auf dem Frontispice unseres Puppentheaters“ schreibt Cosima 1869 an den damals noch zum Freundeskreis zählenden und daher häufig zu Gast in Tribschen weilenden Friedrich Nietzsche. Muhammad III. al-Husain, der Bey von Tunis, hatte Wagner den Nischan-el-Iftikhar-Orden verliehen. Als das Stück, aufwändig verpackt, in ankam, war das Staunen – und bald das Gelächter groß… so groß, dass Wagner den prächtigen Orden am Bande den Kindern Isolde und Eva für ihr Puppentheater schenkte. Dort schmückte er die Frontseite. Wagner selbst blieb auch hier der „Anti-Institutionalist“, der Staat und all seine Äußerungsformen – auch derartige Anerkennung – ablehnte.

„Ein Attentat auf meine Existenz...“

Zeitlebens hat Verdi öffentliche Ämter und pompöse Ehrungen abgelehnt. So hält am 8. August 1898 Verleger Giulio Ricordi einen Brief in Händen, der Verdis unverminderte Aversionen zeigt: „Ich lese im „Corriere“, dass „das Mailänder Konservatorium nach Gius. Verdi benannt wird“. Um Gottes Willen! Das hat gerade noch gefehlt, um mich zu ärgern! Mich, einen armen Teufel, der nur den einen Wunsch hat, ruhig zu leben und ruhig zu sterben!... Befreien Sie mich von diesem Titel, den ich nicht mag, den ich verachte und der mich lächerlich macht, so wie früher der Titel eines Marchese...“ Und am 13. August folgt gleich noch so eine Brandfackel: „Konservatorium „Giuseppe Verdi“ ist ein Missklang! Ausgerechnet das Konservatorium, das – ich übertreibe nicht – ein Attentat auf meine Existenz verübt hat! Ich möchte selbst vor der Erinnerung daran fliehen...“ Verdi erinnert sich also noch ganz genau: vor über 60 Jahren, im Juli 1832 war er nach überaus gründlicher Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung angetreten; doch der junge Klavierlehrer Angeleri bemängelt die Fingerhaltung und glaubt, dass sie bei einem 18-Jährigen kaum mehr zu ändern ist: keine Aufnahme ins Konservatorium. Die damals schmerzliche Zurückweisung hat der alte Verdi nicht vergessen!